Wirtschaftlichkeit · Praxis

Was Digitalisierung kostet — und was es kostet, nichts zu tun

16.09.2026 Lesezeit ca. 9 Minuten Rembold's Digitale Medienschmiede

Auf dieser Website steht keine Zahl wie „30 Prozent Zeitersparnis". Nicht, weil solche Zahlen unmöglich wären, sondern weil sie in Einzelprojekten selten sauber messbar sind — und weil die Zahl, die für Ihren Betrieb zählt, nicht aus einer Studie kommt, sondern aus Ihrem Betrieb. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie sie ermitteln. Mit einem Rechenweg, den Sie an einem Nachmittag durchgehen können, und mit den Kosten, die in keiner Rechnung auftauchen, weil niemand sie aufschreibt.

Die Kosten des Nichtstuns sind unsichtbar — deshalb fühlen sie sich wie null an

Ein Festpreis für ein System steht auf einem Angebot. Die Kosten dafür, dass jemand jeden Tag vierzig Minuten überträgt, stehen nirgends. Sie verteilen sich auf Randzeiten, auf „das mache ich schnell noch", auf den Abend, an dem die Rechnungen geschrieben werden. Niemand empfindet sie als Arbeit, weil sie nie am Stück anfallen. Und genau deshalb wirkt Digitalisierung teuer und Nichtstun kostenlos — obwohl es meist umgekehrt ist.

Der erste Schritt ist also, die unsichtbaren Kosten sichtbar zu machen. Dafür gibt es ein einfaches Werkzeug.

Schritt 1: Der Wochenzettel

Eine Woche lang notiert jede Person im Büro, welche Handgriffe sich wiederholen und wie lange sie dauern. Keine Software, ein Zettel reicht. Nicht die Fachaufgaben — Kunden beraten, Angebote kalkulieren, Probleme lösen —, sondern die Übertragungsarbeit: abtippen, nachfragen, suchen, hinterhertelefonieren, umkopieren, nachtragen.

Fast immer stehen am Ende der Woche zwischen zehn und fünfzehn Stunden auf dem Zettel, die niemand vorher als Arbeit wahrgenommen hat. Das ist Ihre erste Zahl: Übertragungsstunden pro Woche.

Schritt 2: Die Rechnung aufstellen

Jetzt wird gerechnet, und zwar bewusst konservativ. Ein Beispiel mit erfundenen, aber typischen Zahlen für einen Betrieb mit zwölf Mitarbeitenden, von denen drei im Büro arbeiten:

Das ist die Zahl, die jedes Jahr still verschwindet. Nicht als Rechnung, sondern als Zeit, die für nichts anderes zur Verfügung stand. Und sie ist konservativ, weil sie nur die direkte Übertragung zählt. Dazu kommen:

Schritt 3: Die Kosten, die nicht auf dem Zettel stehen

Gebundenes Geld

Wie lange liegt erledigte Arbeit, bis sie abgerechnet ist? Wenn Rechnungen „immer am Monatsende" geschrieben werden, liegt die Arbeit vom Monatsanfang vier Wochen unbezahlt. Bei einem Monatsumsatz von 60.000 Euro sind das im Schnitt 30.000 Euro, die dauerhaft zwei Wochen später kommen, als sie könnten. Ein System, in dem die Rechnung aus dem erledigten Auftrag entsteht, holt dieses Geld nicht einmal, sondern dauerhaft nach vorn.

Verlorene Aufträge

Wie viele Angebote versanden, weil niemand nachgefasst hat? Wie viele Anfragen bleiben zwei Tage liegen, weil sie im falschen Postfach landeten? Sie kennen die Zahl nicht — das ist der Punkt. Eine konservative Annahme: Von zehn Angeboten geht eines verloren, das mit Nachfassen gekommen wäre. Bei einem durchschnittlichen Auftragswert von 3.000 Euro und zwanzig Angeboten im Monat sind das 6.000 Euro im Monat, 72.000 Euro im Jahr — als Umsatz, nicht als Gewinn, aber als Umsatz, der ohne zusätzliche Arbeit möglich gewesen wäre.

Fehlerkosten

Die Adresse, die in einem von drei Systemen nicht aktualisiert wurde. Die Rechnung mit der falschen Position, weil beim Abtippen eine Zeile verrutscht ist. Der Termin, der doppelt vergeben wurde. Jeder einzelne Fehler ist klein. Zusammen kosten sie Zeit zur Korrektur und — schwerer zu beziffern — Vertrauen.

Das Ausfallrisiko

Was passiert, wenn die Person, die als Einzige die Excel-Tabelle versteht, vier Wochen ausfällt? In vielen Betrieben: Die Rechnungen gehen nicht raus. Das ist kein Kostenfaktor, der jedes Jahr anfällt, sondern einer, der irgendwann einmal sehr groß anfällt.

Schritt 4: Die Gegenseite — was Digitalisierung kostet

Hier wird es ehrlich: Ein ineinandergreifendes System kostet mehr als ein Chatbot-Abo. Die Analyse hat einen Festpreis. Die Architektur hat einen Festpreis. Jeder Baustein hat einen Festpreis. Für einen Betrieb der genannten Größe liegt die Summe aus Analyse, Architektur und den ersten zwei bis drei Bausteinen typischerweise im mittleren fünfstelligen Bereich — verteilt über sechs Monate, mit Ausstieg nach jeder Stufe.

Dazu kommen laufende Kosten: Lizenzen für das, was Sie ohnehin bezahlen (Microsoft 365, Fachprogramm), gegebenenfalls für eine KI-Anbindung (meist gering), und — wenn gewünscht — Wartung. Und dazu kommt Ihre eigene Zeit: einige Stunden in der Analyse, Abnahmen je Baustein, die ersten zwei Wochen mit dem neuen Ablauf.

Schritt 5: Gegenüberstellen

Im Beispiel: 19.320 Euro Übertragungskosten pro Jahr, dazu gebundenes Geld und verlorene Aufträge, die sich kaum beziffern lassen, aber real sind. Gegenüber einem Festpreis, der sich — selbst wenn das System nur die Hälfte der Übertragungsstunden beseitigt — nach zwei bis drei Jahren allein über die Zeit bezahlt hat. Und der danach jedes Jahr weiterarbeitet.

Die ehrliche Einschränkung: Das gilt, wenn das System trägt. Ein System, das gebaut, aber nicht eingeführt wurde, spart nichts. Ein System, das niemand pflegt, verfällt in einem Jahr. Deshalb gehören Einführung und Betrieb zur Rechnung — als Kosten und als Voraussetzung für den Nutzen.

Warum die Punktlösung in dieser Rechnung schlechter abschneidet, obwohl sie billiger ist

Ein einzelnes Werkzeug kostet wenig und spart etwas: Die Telefon-KI nimmt die Anrufe ab. Aber sie beseitigt nur die Übertragungsstunden an einer Naht, und sie erzeugt an der nächsten Naht neue — die Notizen, die jemand abarbeitet. In der Rechnung sieht das so aus: minus drei Stunden Telefon, plus zwei Stunden Notizen abarbeiten, plus eine neue Kundenliste pflegen. Netto bleibt wenig. Beim dritten Werkzeug wird das Netto negativ, weil die Werkzeuge untereinander Übertragung erzeugen. Die vier versteckten Kosten von Inseln.

Billig ist, was wenig kostet. Günstig ist, was viel beseitigt. Beides ist selten dasselbe.

So gehen Sie vor

  1. Eine Woche Wochenzettel, alle im Büro.
  2. Stunden mal Vollkosten mal 46 Wochen: Ihre Übertragungskosten pro Jahr.
  3. Dazu ehrlich geschätzt: wie lange Arbeit bis zur Rechnung liegt, wie viele Angebote versanden.
  4. Diese Zahl ist die Messlatte für jedes Angebot — ob von uns oder von jemand anderem.

Wenn Sie den Wochenzettel haben und nicht sicher sind, was er bedeutet: Der kostenlose Prozess-Check bewertet einen einzelnen Ablauf in einer Minute. Die Unternehmensanalyse macht aus allen Zetteln die ganze Landkarte — mit Zeitkosten je Naht und einem Festpreis für die Bausteine, die sie beseitigen.

Sie haben Ihre Übertragungskosten ausgerechnet? Dann haben Sie die Messlatte. Die Unternehmensanalyse liefert die andere Seite der Rechnung: Festpreise je Baustein, und was jeder davon beseitigt.