Automatisierung · Praxis

Welche Prozesse sich zum Automatisieren lohnen — und welche Sie in Ruhe lassen sollten

05.08.2026 Lesezeit ca. 8 Minuten Rembold's Digitale Medienschmiede

Die häufigste Frage in Erstgesprächen lautet nicht „Was kostet das?", sondern „Wo fangen wir an?". Die ehrliche Antwort: nicht beim spektakulärsten Prozess, sondern beim langweiligsten. Dieser Artikel gibt Ihnen die fünf Kriterien an die Hand, mit denen wir selbst bewerten — damit Sie Ihre Abläufe vorab selbst sortieren können.

Kriterium 1: Wiederholung schlägt Komplexität

Der ideale Automatisierungskandidat ist nicht der komplizierteste Prozess, sondern der häufigste. Ein Handgriff, der zehn Minuten dauert, aber vierzigmal pro Woche anfällt, kostet mehr als eine komplexe Aufgabe, die einmal im Quartal ansteht — und er ist viel einfacher zu automatisieren.

Rechnen Sie ehrlich: Häufigkeit mal Dauer mal beteiligte Personen. Bei allem über zwei Stunden pro Woche lohnt sich ein genauer Blick.

Kriterium 2: Klare Regeln oder klare Muster

Automatisierung funktioniert dort gut, wo sich der Ablauf beschreiben lässt: „Wenn eine Rechnung kommt, dann prüfe X, lege sie unter Y ab und trage Z ein." Früher war die Grenze hart — was sich nicht in Regeln fassen ließ, ging nicht. Mit Sprachmodellen hat sich diese Grenze verschoben: Auch Muster reichen heute. Eine KI kann E-Mails nach Anliegen sortieren, obwohl niemand alle Formulierungen vorab kennen kann.

Was weiterhin schlecht funktioniert: Abläufe, bei denen jeder Fall wirklich anders ist und Erfahrung, Verhandlung oder Fingerspitzengefühl den Kern ausmachen.

Kriterium 3: Der Fehlerpreis

Fragen Sie bei jedem Kandidaten: Was passiert, wenn die Automatisierung sich irrt? Bei einer falsch einsortierten E-Mail: ein Klick zur Korrektur. Bei einer automatisch versendeten Mahnung an den falschen Kunden: ein beschädigtes Verhältnis. Bei einer automatischen Entscheidung über eine Bewerbung: unter Umständen ein Rechtsverstoß.

Kriterium 4: Die Daten müssen erreichbar sein

Ein Prozess, dessen Informationen in Papierordnern, Köpfen oder WhatsApp-Verläufen stecken, lässt sich nicht direkt automatisieren — erst muss die Information dorthin, wo Software sie lesen kann. Das ist keine Absage, aber es verändert die Reihenfolge: Digitalisieren zuerst, automatisieren danach. Wer diesen Schritt überspringt, baut Automatisierung auf Treibsand.

Kriterium 5: Jemand muss den Prozess besitzen

Jede Automatisierung braucht im Betrieb eine Person, die sie versteht, pflegt und bei Änderungen anpasst — nicht auf Programmierebene, aber inhaltlich. Prozesse ohne Verantwortlichen degradieren still: Die Vorlage veraltet, die Ausnahme häuft sich, irgendwann arbeitet das Team wieder daran vorbei. Klären Sie die Zuständigkeit vor dem Start, nicht danach.

Die drei klassischen Fehlgriffe

Automatisieren Sie das Langweilige. Das Spektakuläre kommt von allein, wenn das Fundament trägt.

So starten Sie morgen

Lassen Sie jede Person im Team eine Woche lang notieren, welche Handgriffe sich wiederholen und wie lange sie dauern. Keine Software nötig, ein Zettel reicht. Am Ende der Woche haben Sie eine ehrlichere Prozesslandkarte als jedes Beratungsprojekt — und meist stechen zwei, drei Kandidaten sofort heraus.

Wenn Sie einen davon gegenprüfen möchten: Unser Prozess-Check bewertet einen beschriebenen Ablauf in einer Minute nach genau den Kriterien aus diesem Artikel. Und wie wir danach vorgehen würden, steht auf der Seite Vorgehen.

Welcher Ihrer Abläufe erfüllt die fünf Kriterien? Der Prozess-Check gibt in einer Minute eine erste Einschätzung — und die Unternehmensanalyse zeigt, wie er mit dem Rest Ihres Betriebs zusammenhängt.