Schulung · Selbermachen

Selbst automatisieren: Wann es sich lohnt, es zu lernen — und wann nicht

04.09.2026 Lesezeit ca. 7 Minuten Rembold's Digitale Medienschmiede

Wir leben davon, Systeme für Betriebe zu bauen. Trotzdem raten wir in einem Teil der Erstgespräche: „Das können Sie selbst." Nicht aus Großzügigkeit, sondern weil es stimmt — und weil ein Betrieb, der seine erste Automatisierung selbst gebaut hat, später ein besserer Partner für ein System ist, als einer, der alles von außen bekommen hat. Dieser Beitrag beschreibt, woran Sie erkennen, ob Selbermachen bei Ihnen passt, was Sie dafür brauchen, und wo die Grenze liegt.

Die gute Nachricht: Die Werkzeuge sind da

Wer Microsoft 365 nutzt, hat mit Power Automate bereits eine Automatisierungsplattform bezahlt, mit der sich Abläufe zwischen Outlook, Teams, SharePoint und Excel ohne Programmierung verbinden lassen. Copilot Studio erlaubt es, einfache Assistenten zu bauen. Daneben gibt es Werkzeuge, mit denen man per Klick Workflows zwischen Programmen zieht. Und Sprachmodelle nehmen einem die Arbeit ab, die früher Programmierung brauchte: Text verstehen, einordnen, zusammenfassen. Was mit Microsoft 365 ohne Zusatzkosten geht, steht hier.

Die technische Hürde ist also niedriger als je zuvor. Die eigentliche Hürde liegt woanders.

Die eigentliche Hürde: den Ablauf beschreiben

Die meisten Selbstversuche scheitern nicht am Werkzeug, sondern davor — an der Beschreibung. Ein Workflow braucht einen Auslöser („wenn eine Mail mit Anhang im Postfach X ankommt"), Schritte („lies den Anhang, erkenne den Absender, lege einen Ordner an"), Entscheidungen („wenn der Absender bekannt ist, dann … sonst …") und Ausnahmen („wenn der Anhang kein PDF ist, dann melde dich bei mir"). Wer das aufschreiben kann, kann es auch bauen. Wer sagt „das macht man halt so, je nachdem", kann es noch nicht bauen — und auch noch nicht beauftragen.

Die Fähigkeit, einen Ablauf so zu beschreiben, dass eine Maschine ihn versteht, ist das Eigentliche, was man lernt. Sie ist auf jeden weiteren Ablauf übertragbar. Und sie ist der Grund, warum unser Automatisierungs-Workshop den ganzen Vormittag mit Beschreiben verbringt, bevor nachmittags gebaut wird.

Wann Selbermachen passt

Wann Selbermachen nicht passt

Selbermachen passt, wenn ein Ablauf allein steht. Es passt nicht, wenn er mit allem anderen zusammenhängt — und das tun die wichtigen.

Der dritte Weg: begleitet selbst machen

Zwischen „alles selbst" und „alles von außen" gibt es einen Weg, der für viele Betriebe der beste ist: Die Analyse und die Architektur — Datenmodell, Schnittstellenplan, Reihenfolge — kommen von außen. Die Bausteine, die man klicken kann, baut das Team selbst, mit regelmäßigen Terminen, in denen jemand von außen draufschaut. Die Teile, die Code brauchen, übernimmt der Dienstleister.

Das Ergebnis ist ein System, das das Team zu großen Teilen selbst gebaut hat — und deshalb pflegt. Es ist nicht zwingend billiger als die volle Umsetzung, weil die eigene Zeit auch Geld ist. Aber es ist oft besser, weil das Wissen im Betrieb bleibt. Als Format bieten wir das unter dem Namen Begleitetes Selbermachen an.

Was eine Schulung leisten kann — und was nicht

Eine gute Schulung bringt Ihnen bei, einen Ablauf zu beschreiben, ein passendes Werkzeug zu wählen und den ersten Workflow zu bauen — an einem echten Ablauf aus Ihrem Betrieb, nicht an einem Beispiel. Danach läuft etwas, das ab morgen Zeit spart, und Sie können den nächsten Ablauf nach demselben Muster angehen.

Was eine Schulung nicht kann: aus einem Tag einen Entwickler machen, ein Datenmodell ersetzen, oder die Frage beantworten, wie Ihr ganzer Betrieb zusammenhängen soll. Das ist Architekturarbeit, und sie kommt vor dem Workflow — oder sie kommt teuer danach.

So entscheiden Sie: Nehmen Sie den Ablauf, den Sie automatisieren wollen, und fragen Sie: Steht er allein, oder hängt er mit Auftrag, Rechnung oder Kunde zusammen? Steht er allein — lernen Sie es, es lohnt sich. Hängt er zusammen — lassen Sie erst das Fundament entwerfen, und bauen Sie dann gern selbst darauf. Der kostenlose Prozess-Check gibt für einen beschriebenen Ablauf in einer Minute eine erste Einordnung.

Sie haben einen Ablauf, den Sie selbst automatisieren wollen? Im Workshop bauen wir ihn gemeinsam — an einem Tag, in Ihrem Betrieb. Wir sagen vorher ehrlich, ob er sich dafür eignet.